Entscheidungen

Jeder kennt Sprichwörter wie: „Alles hat seinen Preis.“, „Alles hat Vor- und Nachteile.“ oder „Jede Medaille hat zwei Seiten.“ usw. Damit ist gemeint, dass unsere Welt bipolar angelegt ist. Entscheidet man sich für eine Seite, dann entscheidet man sich automatisch gegen eine andere Seite. Entscheidet man sich für etwas, dann muss man auch auf etwas verzichten. Wie das im Einzelnen aussieht, ist nicht immer eindeutig erkennbar.

Wenn man bei Entscheidungen vor allem Vorteile möchte, dann verzichtet man parallel dazu auf sehr viel. Je mehr Vorteile, desto mehr Nachteile. Diese Nachteile sind nicht immer klar erkennbar, weil man die Vorteile wegen ihrer Attraktivität stärker wahrnimmt. Sie sind aber dennoch vorhanden.

Möchte man auf bestimmte Nachteile verzichten, so muss man auch auf die dazugehörigen Vorteile verzichten. Bleibt man in einer Situation und leidet unter den Nachteilen, dann übersieht man evtl. die dazugehörigen Vorteile. Auf diese Vorteile möchte man nämlich nicht verzichten und deshalb bleibt man in der Situation.

Man darf mit der Zeit, die Vorteile im Geiste nicht verblassen lassen. Das kann geschehen, weil sie naturgemäß durch Gewöhnung zu Selbstverständlichkeiten werden. Dann sieht man die Nachteile zu stark und reibt sich an ihnen. Man sollte sich die Gründe vom Zeitpunkt der Wahl wieder bewusst machen, warum man also etwas wegen seiner Vorteile einmal wählte.

Entscheidet man sich z.B. für einen Partner der durchsetzungsstark ist, dann freut man sich über seine Stärke. Erst später stört man sich vielleicht am Egoismus. Beim sensiblen Partner stört man sich vielleicht irgendwann an seiner mangelnden Konfliktfähigkeit; beim geistig starken Partner an seiner Rechthaberei usw. Man stört sich an den Nachteilen und übersieht dadurch die positiven Kriterien, die einmal zur Auswahl des Partners führten.

Arbeitet man z.B. selbständig, also nicht in abhängiger Position, dann muss man sich selbst um seine Arbeitsaufträge kümmern. Mitunter schwankt deshalb das erzielte Einkommen je nach Auftragslage sehr stark. In einer abhängigen Beschäftigung bekommt man seinen Lohn normalerweise pünktlich in stabiler Höhe ausgezahlt. Dafür muss man sich an die Vorgaben des Arbeitgebers halten, was die eigene Selbständigkeit einschränkt. Das ist der Nachteil.

Gibt es Dinge nur mit Vorteilen? Das ist bei Illusionen sehr wahrscheinlich! Bei Illusionen sieht man nur die Vorteile und kann keine Nachtteile entdecken (rosarote Brille). Das funktioniert aber nur eine begrenzte Zeit so. In der Phase der Desillusionierung (Enttäuschung) sieht man plötzlich nur noch die Nachteile. In beiden Fällen nimmt man die Realität verzerrt wahr. Es dauert eine Zeit lang, bis die Sicht wieder realistischer wird.

Als Optimist könnte man nun einwenden, dass man mit dem Fokus auf Nachtteile, in jede leckere Suppe mindestens ein Haar hinein tut. Genau das ist nicht gemeint! Es geht nicht darum Vorteile schlecht zu machen. An den Vorteilen kann man sich erfreuen, diese genießen und genauso nehmen wie sie sind! Man muss nur um den Preis wissen.

Wenn man die gegenseitige Bedingtheit von Vor- und Nachteilen beachtet, dann gerät man seltener in Illusionen mit ihren unnötigen Enttäuschungen. Extreme Positionen sollte man bei seinen Entscheidungen möglichst vermeiden. Man könnte versuchen, absichtlich kleinere Nachtteile zu akzeptieren, um dadurch einige kleinere Vorteile zu erlangen. Umgekehrt könnte man auf einige Vorteile verzichten, um bestimmte Nachteile abzubauen. Man könnte solange hin und her pendeln bis es passt. So findet man seine individuelle Wohlfühloption.

Alles hat seinen Preis.

Bei Entscheidungsschwierigkeiten kann eine Beratungssitzung helfen.

31. Januar 2013Permalink