Die eigenen Gefühle als Wegweiser

Die eigenen Gefühle zeigen an, inwieweit man im Einklang mit seinen Bedürfnissen lebt. Lebt man entsprechend und fühlt sich wohl, dann denkt man weniger über die Bedeutung von Gefühlen nach. Hat man dagegen Probleme, so beginnt man  zu unterscheiden. Eine Bewertung der Gefühle macht man mit dem Verstand. Gefühle, die die eigenen Lebensplanungen bestätigen, werden als gut angesehen. Gefühle, die diese infrage stellen könnten, erscheinen dagegen als negativ oder werden sogar als „böse“ bezeichnet. Letztere möchte man verständlicherweise vermeiden.

Wenn man z.B. keine Angst haben möchte, dann ist Angst offenbar ein wichtiges Thema. Keine Angst (mehr) haben zu wollen, ist vergleichbar mit den berühmten rosa Elefanten, an die man nicht denken möchte. Immer wenn man nicht an rosa Elefanten denken will, dann denkt man genau an diese. Jeder Mensch hat auch mal Angst in seinem Leben. Es muss deshalb kein beherrschendes Thema für ihn sein. Wenn man aber oft über Angst nachdenkt, dann ist es das schon. Das Gleiche gilt für Gefühle wie z.B. Trauer, Zorn, Wut, Ärger, Stress, Unruhe, Druck, Neid, Eifersucht, Ohnmacht und andere. Jeder Mensch ist auch mal wütend, gestresst, traurig oder ärgert sich über etwas usw. Allein die Dosis macht aus der alltäglichen Normalität eine beachtenswerte Angelegenheit.

Unangenehme „böse“ Gefühle nicht haben zu wollen, ist vergleichbar damit, einen guten Freund abzuweisen. Gute Freunde zeichnen sich dadurch aus, dass sie die eigenen Ansichten nicht nur bestätigen, was natürlich angenehm ist, sondern auch mal anderer Meinung sind. Konstruktive Kritik kann den eigenen Horizont erweitern und das Leben positiv verändern. Unliebsame Gefühle abzuweisen, bedeutet, man möchte seinen bisherigen Lebensweg, den man verstandesgemäß festlegt hat, beibehalten. „Böse“ Gefühle wegzuschieben macht sie allerdings nur kurzzeitig weg. Die Ursachen sind deshalb nicht behoben. Die unangenehmen Gefühle erscheinen mit der Zeit immer dringlicher, bis man sie nicht mehr ignorieren kann. Dann könnte die Zeit zum Umdenken reif sein.

Nun kann man nicht immerzu jeder kleinsten Gefühlsregung nachgeben. Damit hätte man kaum Kontinuität und Beständigkeit in seinem Leben. Je nach Schwankung der Laune, würde man heute so und morgen so agieren, unbeständig ohne Ziel und Sinn. Es ist schon wichtig, sein Leben verstandesgemäß zu planen, um dadurch eine gewisse Zielrichtung zu haben. Es gibt aber auch immer wieder Zeiten im Leben, in denen Veränderungen anstehen. Alles ist im Fluss. Manchmal überhört man leise Signale, weil Alltagsbeschäftigungen alles überdecken. Dann sendet die Seele mitunter stärkere Signale. „Böse“ Gefühle, die oft und stark auftreten, sind wichtige Aufforderungen zur Korrektur, die eigenen Ansichten zu überdenken!

Es geht um Veränderungen. Deshalb muss man nicht gleich alles über Bord werfen. Vielleicht genügen kleinere Anpassungen und eine veränderte Sichtweise zu bestimmten Themen. Wichtig ist zuallererst das Eingeständnis von Veränderungswünschen. In der Anfangsphase könnte man sich z.B. fragen:

Ist das (noch) stimmig für mich?
Was könnte fehlen?
Sehe ich vielleicht einige Dinge zu eng?
Sehe ich etwas zu extrem?
Könnte ich etwas reduzieren?
Sollte ich vielleicht einiges weglassen?
Würde mir etwas anderes besser entsprechen?
Könnte ich vielleicht mal etwas Neues ausprobieren? usw.

Schritt für Schritt kann man neue Wege gehen. Dabei betrachtet man die angenehmen Gefühle, als Bestätigungen seiner Bemühungen und die unangenehmen Gefühle, als weitere Korrekturaufforderungen. So findet man seine individuellen Möglichkeiten.

Alle Gefühle sind gleichwertig, die positiven wie die unangenehmen, denn sie dienen als Wegweiser für das eigene Leben.

15. Januar 2013Permalink