Der Stier (Stier-Prinzip)

(Aszendent im Stier, Sonne im Stier oder im 2. Haus, Stier-Betonung, Haus 2-Betonung)
Themen: Reviertrieb, Abgrenzungsfähigkeit, Eigenwert, Lebensstil, Sicherheit

Reviertrieb: Das Revier eines Tieres wird auch Territorium genannt und bezeichnet ein Gebiet, das ein Tier oder eine Gruppe von Tieren gegen Artgenossen durch Revierverhalten abgrenzt und verteidigt. So werden andere Tiere daran gehindert, einzudringen oder auf Dauer ansässig zu werden. Ein Hund markiert z.B. dafür am Baum sein Revier. Aber auch Menschen besitzen einen Reviertrieb: Ein Handtuch am Strand zeigt das dieser Platz zeitweise besetzt ist. Persönliche Dinge am Arbeitsplatz weisen auf den eigenen Arbeitsbereich hin. Ein Name grenzt eine Gruppe ab, ein Zimmer den persönlichen Raum. Eine Mauer oder ein Zaun grenzen ein Grundstück ab. Eine Staatsgrenze begrenzt die Hoheitsrechte einer Nation usw. Abgrenzungen dienen dazu Nutzungsrechte und Ansprüche (auf Dinge) gänzlich oder zeitweise zu regeln. Dabei werden jemanden Rechte zugesprochen die anderen verwehrt werden. Beziehungspartner, Familienmitglieder oder Angehörige eines Vereines haben mehr Rechte als Nichtmitglieder. Die Mieter einer Wohnung oder Eigentümer eines Hauses haben mehr Rechte als fremde Menschen. Mitarbeiter in Firmen haben Rechte die Betriebsfremde nicht haben usw.

Unterentwickelte Form: Der Stier in unterentwickelter Form fühlt sich chronisch unsicher weil sein Revier oft nicht abgesichert ist und er sich deshalb zu wenig von den Interessen seiner Mitmenschen abgrenzen kann. Er hat noch nicht gelernt eine gesunde Abgrenzungsfähigkeit zu entwickeln. So fühlt er sich oft unsicher wenn immer wieder andere Personen in seinen persönlichen Bereich eindringen, seinen Besitz vereinnahmen und seinen Lebensstil stören. Weil er sich zu wenig räumlich und zeitlich abgrenzt können andere über ihn bestimmen. Er möchte dazugehören und sich bei seinen Mitmenschen nicht unbeliebt machen und grenzt dadurch seine materiellen, räumlichen und zeitlichen Ansprüche zu wenig ab. Dadurch wird er oft in seinen Interessen übergangen. Wo keine Grenzen kenntlich gemacht werden da werden diese (unabsichtlich) übergangen. Grenzverletzungen müssen also nicht böse gemeint sein.

So kann es sein, dass andere den Lebensstil des Stiers stören, indem z.B. öfters unangemeldeter Besuch erscheint und dieser Übergebühr viel Zeit und Ressourcen beansprucht, noch Nachts um Eins jemand anruft, er stundenlang zugetextet wird, sich jemand frech im Haus oder der Wohnung über längere Zeit einnistet, Abgrenzungen des Gartens oder Grundstücks verletzt werden usw. Rechtsstreitigkeiten um Geld oder Besitz können ebenfalls die Seele des Stiers belasten. Verwandte, Freunde oder Bekannte mischen sich in das Leben des Stiers ein. Er kann nicht ohne Skrupel „nein“ sagen und Absagen aussprechen, auch nicht dann wenn diese dringend nötig wären. Andere stören daher seinen Lebensstil und er findet keine Ruhe. Türen stehen offen; Zäune haben Löcher; Grenzen sind nicht eindeutig abgesteckt usw. Probleme mit Abgrenzungen z.B. bei Grundstücken oder Nachbarschaftsstreitigkeiten schmälern die Sicherheit nach der der Stier strebt. Besonders schlecht kann er sich abgrenzen, wenn er vom Geld und vielen Versorgungsleistungen anderer Menschen abhängig ist. So könnte er in einer Partnerschaft und durch die Familie total vereinnahmt werden.

Wenn in einer festen Beziehung der Partner im Wert erhöht erscheint kann dieser über den Lebensstil des Stiers bestimmen. Je nach Stärkegrad kann es so aussehen: Der Partner bestimmt z.B. welche Wohnung gemietet bzw. wie das Haus gebaut wird, die Lage, den Grundriss, die Wohnungseinrichtung etc. Der Partner bestimmt die Frisur und Anzugsordnung des Stiers und nörgelt oft an seinem Äußeren herum. Des Weiteren dominiert der Partner den Lebensstil des Stiers, indem vorgeschrieben wird, wie die Freizeitgestaltung konkret auszusehen hat. Also wann und wohin gefahren und wann wer besucht wird, wie lange die Reise geht usw. Außerdem wird vorgeschrieben mit wem der Stier Umgang pflegen darf und mit wem nicht und wie er sich dabei konkret zu verhalten hat. Der Stier hat keinen eigenen Bereich, ja nicht mal eine kleine Ecke oder gar ein eigenes Zimmer indem er sich zurückziehen und abgrenzen kann. Er muss daher auf „Gemeinsamkeit“ machen und ständig auf die Interessen der anderen reagieren – was ihn oft nervt. Er muss weitestgehend den Lebensstil des Partners, seiner Familie und anderer Personen übernehmen.

Am Arbeitsplatz macht es den Stier zu schaffen, wenn er nicht nach seinem eigenen Rhythmus arbeiten kann. Er möchte gerne eines nach dem anderen erledigen, wird aber immer wieder genervt, weil ständig unerwartete Dinge seine gewohnten Abläufe stören; sich Kollegen in seine Befugnisse einmischen, er keinen eigenen abgegrenzten Bereich hat. Sorgen macht er sich wenn Veränderungen seine Sicherheit gefährden, insbesondere wenn das Einkommen nicht über einen längeren Zeitraum gesichert ist, weniger wird oder zu gering ausfällt. Dem Stier schmerzt es sehr, dass er nur selten seine Ruhe findet, er es sich kaum bequem machen und sein Leben genießen kann. Aufgrund von Abgrenzungsproblemen können sich Nackenverspannungen, Hals-und Rachenbeschwerden oder Gewichtsprobleme einstellen. Aber auch Nervosität und Gereiztheit wegen der ständigen Reibereien.

Übertreibung und Kompensation: Mit der Zeit könnte es sein, dass der Stier nach vielen leidvollen Erfahrungen überreagiert und kompensiert: Der Stier in der Kompensation versucht seine Unsicherheit mit äußerer Sicherheit zu kompensieren. Wichtig sind insbesondere sichere Einkommensquellen, sei es ein sicherer Arbeitsplatz vorzugsweise bei „Vater Staat“, als Beamter, oder ein Geschäft das Gewinn abwürft, Einkünfte aus Kapitalvermögen, Besitz von Wohneigentum oder deren Vermietung (Mietzins). Eigentum und ein dickes Bankkonto verleihen ihm Sicherheit. Trotzdem hat er ständig Ängste, dass der Arbeitsplatz gefährdet sein könnte, das Geschäft zu wenig abwirft, sein Besitz geschmälert wird, Banken pleitegehen usw. Diese Ängste treiben ihn zur intensiven Vorratshaltung, die sich in übervollen Kühlschränken, Tiefkühltruhen und Vorratsräumen ausdrücken kann. Wahrscheinlich ist er überversichert. Der Stier will auf jeden möglichen Engpass vorbereitet sein. Auch kann sich ein Sammelzwang für Wertgegenstände wie Briefmarken, Münzen, Bilder, Kunstgegenstände, Oldtimer, seltene Technik etc. zeigen.

Seine Unsicherheit kompensiert der Stier insbesondere darin, indem er beständig den gleichen Lebensstil pflegt. Er kann jahrelang zur gleichen Morgenzeit aufstehen und zur gleichen Abendzeit zu Bett gehen, auf die gleiche Art und Weise seine Mahlzeiten einnehmen, seine Arbeit verrichten, die Freizeit verbringen, Spazieren gehen, die gleiche Tour mit dem Fahrrad fahren, jahrelang den gleichen Urlaubsort besuchen, immerzu in gleicher Weise den Sexualverkehr vollziehen, im Garten, dem Haus oder der Wohnung arbeiten etc. Solche Gewohnheiten verleihen ihm Sicherheit und geben ihm die Ruhe nach der er sucht.

Seine Gewohnheiten können dem Stier jedoch auch zur Last werden. Übertreibt er nämlich sein Sicherheitsstreben, dann wird er unflexibel und starrköpfig. Dies kann sich darin zeigen kann, dass andere Menschen ihn kaum mehr erreichen. Er möchte bei seinen stetigen Wiederholungen nicht gestört werden und meistens ist es gerade ein ungünstiger Zeitpunkt wenn andere überraschend ein Anliegen an ihm haben, ihn besuchen, einladen oder gemeinsam etwas unternehmen wollen usw. Überraschungen mag der Stier nämlich überhaupt nicht. Auch könnte es sein, dass der Partner, die Kinder oder Freunde die ewig gleichen Wiederholungen satt haben und irgendwann Veränderungen wünschen. Dann kann der Stier dickköpfig werden und umso sturer an seinen Gewohnheiten festhalten wollen.  Wenn sich seine Mitmenschen daraufhin von ihm entfernen, wirft er ihnen vor, sie würden ihn aus der Gemeinschaft ausschließen wollen. Dies bereitet ihn große Ängste.

Im Grunde ist der Stier friedlich und bequem. Nur wenn seine Ansichten, sein Lebensstil, Sicherheit und die seiner Nächsten angegriffen wird, kann er kämpferisch, dickköpfig und ziemlich stur werden. Dann gibt es keine Diskussionen, denn es zählen nur seine Ansichten und die Argumente der Gegensaite gelten nicht. Seinen persönlichen Standpunkt verändert er im Streit nur ganz selten.

Seine Angehörigen, insbesondere den Partner betrachtet der kompensierende Stier als seinen Besitz. Er dominiert den Lebensstil des Partners, indem vorgeschrieben wird wie die Freizeitgestaltung auszusehen hat, mit wem er Umgang pflegen darf und mit wem nicht und wie sich der Partner dabei zu verhalten hat. Er denkt, er würde seinen Partner und anderen Menschen Gutes tun, wenn er ihnen seinen Lebensstil aufzwingt. Im Extremfall überwacht der Stier seinen Partner rund um die Uhr auf Schritt und Tritt. Seine persönliche „Scholle“ ist ihm das wertvollste. Binden kann er einen Partner am besten indem er ihn finanziell und von emotionalen und materiellen Zuwendungen oder durch Wohnraum von sich abhängig macht.

In der Kompensation übergeht der Stier bei anderen regelmäßig die Grenzen und schmälert dadurch die Sicherheit seiner Mitmenschen. So mischt sich in Dinge ein die ihm gar nichts angehen. Es entstehen die berühmten Diskrepanzen am Gartenzaun, Dispute um Eigentum, berufliche Streitigkeiten um Kompetenzen und Zuständigkeiten. In einer extremen Kompensation, stellt er sich im Wert über andere Menschen, indem er sich mit Titeln, Statussymbolen und Wertgegenständen schmückt, als Gourmet und Zugehöriger einer (moralisch) höheren Schicht darstellt.

Entwicklungsaufgabe: Der entwickelte Stier hat erkannt, dass er, um sich wohl zu fühlen und Sicherheit zu erlangen, unbedingt ein eigenes Revier braucht. Er braucht in der Wohnung oder im Haus ein eigenes Zimmer indem er sich ggf. zurückziehen kann und seine persönlichen Dinge, die er als wertvoll einschätzt, sicher verwahren kann. Auch weiß er, dass es in einer Beziehung und Partnerschaft, neben vielen Gemeinsamkeiten, jeder Einzelne auch individuelle Interessen pflegen sollte. So gibt es individuelle Interessen und gemeinsame Interessen. Jeder hat einen persönlichen Lebensstil und daneben gibt es einen gemeinsamen Lebensstil. Es gibt persönlichen Besitz und gemeinsamen Besitz; persönliche Freunde, gemeinsame Freunde; persönliche Unternehmungen neben gemeinsamen Unternehmungen usw. Um dieses zu ermöglichen, hat der Stier eine gesunde Abgrenzungsfähigkeit im alltäglichen Leben eingeübt und ist dadurch in der Lage sich zeitlich abzugrenzen ggf. Absagen auszusprechen und auch „nein“ zu sagen, wenn es angebracht ist. Da er einen gesunden Eigenwert besitzt, billigt er dieses Recht natürlich auch anderen Menschen zu. Er ist Herr seiner Zeit und achtet aber darauf, andere nicht zu verplanen oder zu übergehen.

Ferner braucht er bei der Arbeit einen eigenen Bereich indem er seine „Duftmarken” setzen kann und wo andere keine Befugnisse besitzen. Dazu gehört ein exakt abgegrenzter persönlicher Bereich und Kompetenzbereich. Wichtig ist aber auch, dass er in einem bestimmten Rahmen seine Zeit selbst einteilen kann, da er Dinge gerne eines nach dem anderen und gründlich machen möchte. Um jedoch wirklich frei und unabhängig handeln zu können, ist für einen Stier ein gewisser finanzieller Spielraum unabdingbar. Dafür muss er keine Reichtümer ansammeln, im Gegenteil. Der entwickelte Stier hat herausgefunden, welcher Besitz für sein Sicherheitsempfinden wichtig ist und wann Besitz anfängt hinderlich zu sein und ihn zu knechten.

Für den Stier ist es notwendig, dass er mögliche Hemmungen im Abgrenzen und „nein“-Sagen aus der Kindheit und Jugend analysiert, um das unbewusste Gefühl von Unsicherheit in ein Gefühl von Sicherheit zu wandeln. Der entwickelte Stier lässt er sich daher nicht mehr von Wertevorstellungen seines sozialen Milieus und der Familie hemmen. Er hat erkannt, dass der Wert jedes Menschen grundsätzlich gleich ist. Der erwachsene Stier hat erkannt, dass aller Besitz nicht glücklich macht, wenn durch die viele Plackerei der Körper gesundheitliche Schäden erleidet. Er ist ein Realist und hat daher für Ideologien, Weltanschauungen und idealistische Träumereien wenig übrig. Für ihn zählt was messbar, greifbar und klar erkennbar ist, was er anfassen und direkt beeinflussen kann. Allein die Befriedung seiner Grundbedürfnisse verleiht ihm Genuss. Wesentlich ist es ihm ordentlich zu essen, zu trinken, wohnen, relaxen und Sex. Er ist ein ausgesprochener Genießer.

9. November 2016Permalink